Was hat er, was sie nicht hat? GRIT

München, 19. März 2017 – Was hat dieser Mann, was andere nicht haben? Martin Schulz ist von der SPD am heutigen Sonntag, 19. März 2017, zum Kanzlerkandidaten gewählt worden – mit sensationellen 100 (!) Prozent. Ein für die SPD historisches Ereignis. Selbst die SPD-Legenden Kurt Schumacher (99,71%), Willy Brandt (99,36 %), Erich Oldenhauer (98,84 %) und Hans-Jochen Vogel (98,84 %) scheiterten knapp an dieser Marke – von Oskar Lafontaine (62,50 %), Sigmar Gabriel (74,27 %) und Gerhard Schröder (75,98 %) ganz zu schweigen.

Warum aber ist Schulz so erfolgreich?

Ist es sein Programm? Nein, denn Schulz hat noch gar keines vorgelegt. Deshalb läuft auch die Kritik der Gegner, Schulz sei schwammig in seinen Ankündigungen, ins Leere.

Ist es sein Motto Gerechtigkeit?

Jein. Mit seinem Wahlkampfmotto Gerechtigkeit hat Schulz, ganz Polit-Profi, ohne Frage das Thema aufgriffen, das in diesem Land die Menschen am meisten beschäftigt, doch wirklich neu ist die Gerechtigkeitsdebatte nicht.

Was Schulz hat, was andere nicht haben, ist vor allem eins: GRIT.

Der englische Begriff GRIT steht für Leidenschaft, Ausdauer und Zuversicht. In ihrem New York Times-Bestseller „GRIT – Die neue Formel zum Erfolg: Mit Begeisterung und Ausdauer ans Ziel“ beschreibt die Harvard- und Oxford-Absolventin Angela Duckworth, dass eben Leidenschaft, Ausdauer und Zuversicht viel wichtiger für den Erfolg sind als zum Beispiel Talent oder der IQ.

Auf Deutschland übertragen heißt das: Dr. Angela Merkel ist ohne Frage eine hochintelligente Frau und erfahrene Regierungschefin – doch zumindest Leidenschaft und Zuversicht sehen anders aus.

1:0 für Schulz.

 

 

 

Die Akte Google: Deutschlandradio Kultur interviewt Torsten Fricke und Ulrich Novak

Die Akte Google

Verhaltensmanipulation, Datenmissbrauch, Jobkiller: In “Die Akte Google” rechnen die Autoren Torsten Fricke und Ulrich Novak mit dem immer mächtiger und größer werdenden Internetkonzern ab – und fordern endlich klare Grenzen für Google.

Daten seien das neue Öl, so zitieren sie Gabor Steingart, den Herausgeber des “Handelsblattes”, um in ihre “Akte Google” einzuführen, in ein gigantisches Geschäft, das ein einziger amerikanischer Internetkonzern als Monopolist dominiere.

Wie Zucker empfindet Torsten Fricke den digitalen Dienstleister: süß, geschmackvoll, überall drin, aber auf Dauer und im Übergenuss leider ungesund. Denn aus einer Suchmaschine habe sich ein Megareich von Hunderten Firmen entwickelt. Je mehr er über dieses “tolle Technologieunternehmen” erfahren habe, ergänzt Ulrich Novak, desto stutziger sei er geworden.
Die Risiken, die es jedem Nutzer und jeder Gesellschaft zumutet, wollen die Autoren verständlich machen. Der eine ist Journalist, der andere Marketingexperte und beide arbeiten als Kommunikationsberater in Krisenfällen. Und den Fall “Google” umreißen sie markant in den Kapitelüberschriften: Das Unternehmen “wächst und wächst und wächst”, die Macher wurden zu den “Reichsten der Reichen” und jetzt drohe deren Werk “außer Kontrolle” zu geraten.
Es mache ihn nervös, berichtet Torsten Fricke, wenn die Gründer der Suchmaschine meinten, sie böten einen guten Service, und nicht verstünden, wie tief sie in die Privatsphäre eingreifen, persönliche Daten missbrauchen, Verhalten manipulieren sowie Jobs gefährden.

Das Autorenpaar wirft Google vor, die Spielregeln von Wirtschaft und Wissenschaft zu beeinflussen und die politische Agenda zu bestimmen. Und wie zum Beleg listet der Anhang zur “Akte Google” Geschäftsfelder und Firmenzukäufe auf. Letztlich sei das Handeln mit Daten eine weitere unter den Lizenzen zum Gelddrucken – und vor allem nicht reguliert.

Regeln wie für andere Massenmedien setzen

Torsten Fricke und Ulrich Novak fordern, dem grenzenlos agierenden Internetkonzern klare Grenzen zu setzen. International, auf dem Weg über die Vereinten Nationen, neue Regeln zu vereinbaren, würde zu lange dauern. Das nationale Kartellrecht dagegen greife nicht, weil es auf Marktmacht, nicht aber auf den Schutz von Grundrechten ausgerichtet sei.

Also folgen sie den Argumenten von Dieter Dörr. Der Rechtswissenschaftler und Direktor des Mainzer Medieninstituts will das Internet verfassungsrechtlich wie Rundfunk und Fernsehen behandeln. Denn einem Massenkommunikationsmittel könne der Gesetzgeber auferlegen, freie Information, freien Meinungsaustausch und eine Vielfalt an Inhalten für jedermann bereitzustellen.

Das zu erreichen, ein faires Miteinander im Netz durchzusetzen, dazu nehmen die Autoren Politik und Nutzer gleichermaßen in die Pflicht.